27.08.2020

DENNOCH, trotzdem


„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“ Dieser Satz steht in einem Gebet in der Bibel, im 73. Psalm. Ein Leben ohne das erste Wort dieses Verses kann ich mir nicht vorstellen. DENNOCH heißt das hier. Oder: TROTZDEM.
Es gibt Anlässe genug im Leben, sich in die Ecke zu setzen und zu sagen: Nein, danke! Mit mir nicht! Ich hab‘ auf dieses ganze Leben keine Lust mehr. – Trotzdem!
Es gibt mehr als genug Anlass zu sagen und zu denken: Gott – den gibt’s nicht. Und wenn, dann lässt er jedenfalls nach mir keinen Hahn krähen. – Trotzdem!
Trotzdem heißt:
Ich gebe nicht auf.
Ich nehme mein Leben an.
Ich nehme seine Herausforderungen an.
Ich finde mich nicht damit ab, was gerade ist. Die Bilder der Bibel weisen in ausweglosen Situationen darüber hinaus. In der tobenden Sintflut ein bergendes Schiff. In den Strapazen der Wüste die Verheißung einer besseren Zukunft. Aufbruch aus Schuld. Leben im Tod. Erfahrungen, die vom „Darüber hinaus“ erzählen, Mut machen, Zuversicht wecken. Die Überzeugung, dass Gott an uns glaubt. Auch wenn wir mitten in der Verzweiflung stehen. Im tiefen Wasser. In Fesseln. Am Ende von Allem, was wir kennen.
Trotzdem heißt:
Ich gebe nicht auf.
Ich nehme mein Leben an.
Ich nehme seine Herausforderungen an.
Und vielleicht mehr noch:
ich liebe es, weil es einzigartig ist
und nicht nur kalt und hässlich, sondern auch warm und schön.
Meine Glieder sind warm und lebendig. Habe ich sie mir gebacken? Nicht einen Zentimeter. Es müsste mich nicht geben. Aber ich bin da. Ist nicht schon das ein Wunder?
Auch wenn Beziehungen mitunter nicht gelingen, wie ich’s gerne hätte... Erfahre ich nicht dennoch Freundlichkeit? Gibt’s nicht Menschen, die zu mir stehen?
„Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große segnende Kraft gibt, die Gott heißt. Gott kann Wege aus der Aussichtslosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln - zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.“ so hat es einmal Martin Luther King ausgedrückt. Oder in der alten Sprache des 73. Psalms: „DENNOCH bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.“
Bleiben Sie behütet, lebensfroh und zuversichtlich!
Herzliche Grüße aus dem Ökumenischen Gemeindezentrum,

Ihr Pfarrer
Dietmar Volke


 

Ev. Philippus-Kirchengemeinde