27.08.2018

Reich beschenkt


     Herbst: eine wunderbare Jahreszeit. Ich staune, was in diesem Sommer alles gewachsen ist und jetzt reif ist: Zwetschgen, Äpfel, Walnüsse. Wie viele Farben hat der Herbst - bunte Herbstblumen, die Blätter, die sich beginnen zu färben, die Früchte. Und jemand schenkt mir ein Glas leckere Marmelade: aus der Fülle der Johannisbeeren im Sommer selbst gekocht, rot leuchtend, Geschmack des Sommers - ein Glas Köstlichkeit für die Zeit, die kommt. Denn nun heißt es: Abschied vom Sommer. Alles hat seine Zeit. 

     Genau an dieser Schwelle: Erntedankfest. Wir schmücken unsere Altäre mit den bunten Gaben der Schöpfung: Nahrung in Fülle für Leib und Seele. Dieser Zeitpunkt am Ende des Sommers hat seinen guten Sinn. 

Gerade weil der Sommer endlich ist, wird mir die Kostbarkeit des Geschenkten besonders bewusst. Und ich denke daran, wie viel uns geschenkt ist. Dass wir es nicht nur aus eigener Kraft haben „machen“ können. Dass da einer seinen Segen hat regnen lassen, damit es wachsen konnte. 

"Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat!“ (Psalm 103).

     Herbst: Zeit, inne zuhalten, das Gute wahrzunehmen, Dankbarkeit zu spüren. Für die Früchte der Erde und die Früchte unseres Lebens. Was ist gewachsen - in mir, in unserem Miteinander? Wie reich ich bin, merke ich, wenn ich Gott danke.

Für mich persönlich ist dieser Herbst eine Ernte-Dank-Zeit für meine Zeit hier in der Philippusgemeinde und im ÖGZ. Ich bin dankbar für die Menschen, die mir begegnet sind, die mich freundlich aufgenommen haben, mit denen gemeinsam es gute Ideen gab, Begeisterung und Schwung, fruchtbare Zusammenarbeit, auch in Schwierigem, das wir gemeinsam bewältigt haben. Ich bin dankbar für das Singen und die Musik, für Lachen und Feiern, für konzentriertes Arbeiten und konstruktives Ringen. Ich bin dankbar für das gute Miteinander im ÖGZ, in der „Arche Noah“, in der Schule, im Wohnpark, auf den Friedhöfen, bei vielen Begegnungen in unserem bunten Stadtteil. 

Nun geht diese Zeit zu Ende. Es fällt mir nicht leicht zu gehen, doch ich nehme viel mit. Nicht nur Marmelade – doch sie ist mir ein wunderbares Bild für alles, was ich hier geerntet und geschenkt bekommen habe. Ich gehe dankbar, gestärkt und voller Vertrauen. 

     Ich wünsche uns das Vertrauen: Der Gott, der uns so reich beschenkt hat, wird uns auch weiter nähren und tragen, durch alle Zeiten. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat.“ 

Ihre Pfarrerin

Sylvia Richter


 

Ev. Philippus-Kirchengemeinde