12.11.2018

Herbstfest war wieder ein Anziehungspunkt

Eindrucksvoller ökumenischer Gottesdienst zu Beginn


Fotos: W. Lich (zum Vergrößern bitte anklicken)

Binnen Minuten waren sämtliche Sitzplätze in der Philippuskirche zum Mittagessen besetzt und so mancher lief mit seinem Teller durch den Raum, um noch einen Sitzplatz zu ergattern. Offensichtlich hatten mehrere Besucherinnen oder Besucher schon vor dem ökumenischen Gottesdienst in der St. Jakobuskirche Tische „reserviert“. Das zeigte wieder einmal, wie beliebt das Herbstfest mit Basar nicht nur in den beiden Gemeinden des Ökumenischen Gemeindezentrums, sondern auch im Stadtteil Kranichstein ist. Dennoch: Dank der Sonne und den milden Temperaturen konnte man auch im Freien Platz nehmen.

Begonnen hatte der Tag in der voll besetzten St. Jakobuskirche mit einem eindrucksvollen ökumenischen Gottesdienst, geleitet von Pfarrer Johannes Zepezauer und Pfarrer Dietmar Volke. Er stand in diesem Jahr unter dem Motto „Flucht und Heimat – Wir sind alle Gast auf Erden“. Zwei Geflüchtete aus Afghanistan und dem Iran berichteten über ihre Gründe zur Flucht. Der junge Vater mit Frau und zwei Kindern schilderte eindringlich, dass seine Frau sich für Frauen in Afghanistan engagierte und deshalb um ihr Leben fürchten musste und die Familie ständig in Angst lebte. Man habe Sicherheit gesucht und sei im Oktober 2016 nach Deutschland gekommen. „Wir fühlen uns jetzt wohl, haben eine Heimat in Kranichstein gefunden“, sagte er und dankte für die Unterstützung und Hilfe, die die Familie hier erfahren habe.

Die Dame aus dem Iran lebt bereits 26 Jahre in Deutschland. Sie sei 1992 hierhergekommen, da in ihrer ehemaligen Heimat keine Freiheit bestand und noch heute nicht bestehe. Sie habe mittlerweile einen deutschen Pass und könne wieder in den Iran reisen, aber „der Iran ist mir fremd geworden, Deutschland ist meine Heimat“.

Zu dem Auftreten der beiden Geflüchteten passte, was zwei ehrenamtlich arbeitende Damen aus dem Asylkreis Kranichstein in einem Interview mit Pastoralreferentin Sonja Knapp zu berichten wussten. Beide fänden eine wirkliche Erfüllung in ihren Aufgaben. Selbst ganz kleine alltägliche Dinge würden Gemeinschaft erlebbar machen.

„Nicht wir, Gott ist unser Gastgeber, wir sind seine Gäste“ – diese Aussage zog sich wie ein Faden durch die Dialogpredigt der beiden Pfarrer. Hier kam auch der Dank an den Asylkreis, der sich um fremde Menschen kümmere und ihnen helfe zum Ausdruck. Auch die Arbeit im Kindergarten, im Jugendhaus und im Eltern-Kind-Treff, wo Vorbildliches im Hinblick auf ein Zusammenleben geleistet werde, sei anerkennenswert. Die Gitarrengruppe von Heike Schwede und die Flötengruppe TonART gestalteten den Gottesdienst mit, in dem es mehrfach Beifall der Besucherinnen und Besucher gab.

„Essen – Trinken – Stöbern – Plaudern“ war im Anschluss angesagt. Wildschweingulasch mit Spätzle und Rotkohl galt wieder als Renner. Aber auch Suppe, Würstchen, belegte Brötchen u.v.m. fanden ihre Abnehmer. Stöbern und Kaufen konnte man auf dem Basar mit vielen schönen Dingen. Es wurde reichlich davon Gebrauch gemacht. Gemeinschaft pflegend saß man den ganzen Tag über  bei einem Glas Wein oder Sekt, Kaffee und Kuchen oder einer süßen Waffel zusammen. Und wer heiße Musik hören wollte, der war im Franziskussaal richtig. Dort spielte die Gruppe Tam Tam Ladida aus Roßdorf westafrikanische Rhythmen auf der Djembé mit Bass-Trommeln und Glocken.

Organisator Dr. Volker Schrenk zeigte sich am Abend sehr zufrieden mit dem Fest, dessen Reinerlös dem Hospiz am Elisabethenstift, dem Asylkreis Kranichstein und dem Ökumenischen Fonds des Gemeindezentrums zufließt.

Wolfgang Lich


 

Ev. Philippus-Kirchengemeinde